Wunderbaum

Wunderbaum Rizinusstrauch

Das Wachstumswunder

Er ist wohl die schnellwüchsigste Pflanze im Botanischen Garten: der Wunderbaum, einigen besser bekannt unter seinem Zweitnamen „Rizinusstrauch“. Heilung bringend und hochgiftig zugleich, steht der Wunderbaum exemplarisch für Gutes und Schlechtes, das der Mensch aus der Natur entwickeln kann.

Woher stammt der Name „Wunderbaum“?

Der Wunderbaum bekam seinen Namen von staunenden Gärtnern, die ihm beim Wachsen zusahen: Innerhalb von drei, vier Monaten erwächst aus dem kleinen Samen eine bis zu fünf Meter hohe Pflanze. Nicht wundern muss man sich dagegen, dass man so wenige fünf Meter hohe Wunderbäume sieht. Die Art verträgt keinen Frost und wird daher in unseren Breiten meist in Kübeln gepflanzt, wo sie bei weitem nicht so groß wird.

Der botanische Name der Pflanzengattung lautet „Ricinus“, lateinisch für „Zecke“, da die Samen vollgesaugten Blutsaugern ähneln. Die Gattung kennt nur eine Art, die daher der „gemeine“ Wunderbaum ist, auf Latein „Ricinus communis“.

Woher stammt der Wunderbaum?

Ursprünglich aus einem Gürtel, der von Äthiopien über Arabien bis nach Indien reichte. Mittlerweile ist der Wunderbaum in allen tropischen Ländern verbreitet. Hauptproduzenten von Rizinusöl sind Indien, China und Brasilien, die sich 80% des Weltmarktes teilen.

Wo finde ich Wunderbäume im Botanischen Garten Gütersloh?

Im Apothekergarten sowie in Kübeln im Mediterranen Garten.

Wie pflanze ich einen Wunderbaum im eigenen Garten?

Mit Vorsicht. Ein wunder Punkt des Wunderbaums ist das ihm eigene Gift „Rizin“, vor allem wenn man Kinder oder Haustiere hat. Oft schmecken giftige Pflanzen so bitter, dass Menschen die Samen/Beeren/Blätter sofort ausspucken. Nicht so beim tückischen Wunderbaum: Dessen Samen, Castorbohnen genannt, sind nicht nur hochgiftig, sondern auch wohlschmeckend. Wobei man sich fragen kann, welcher verrückte Professor das herausgefunden hat, denn bereits eine zerkaute Castorbohne hat für Erwachsene schwerwiegende Folgen. Für Kleinkinder ist die darin enthaltene Dosis Rizin tödlich.

Wer das Wolfsmilchgewächs dennoch im Garten haben will, wählt einen möglichst tropenähnlichen Standort (warm, sonnig, windgeschützt) und simuliert die Regenzeit durch ausreichende Bewässerung. Damit der Wunderbaum trotz des Sennesands glaubt, er stehe im fruchtbaren Nildelta, sollten sie ihm die Illusion mit einer wöchentlichen Ration Flüssigdünner erleichtern. Verzichten Sie auf Wasser und Dünger, schadet dass dem Baum zwar nicht, aber dann nimmt er sich Oskar Matzerath zum Vorbild und stellt das Wachstum ein.

Wer hätt´s gedacht?

Rizin wird im deutschen Kriegswaffenkontrollgesetz erwähnt – es ist eines der stärksten Gifte, die die Natur hervorbringt. Berühmt-berüchtigt ist der Stoff spätestens seit dem Regenschirmattentat von 1976. Dabei wurde der regierungskritische bulgarische Schriftsteller Georgi Markow in London auf offener Straße scheinbar zufällig durch einen Passanten mit einer Regenschirmspitze gepiekst. Tatsächlich handelte es sich um einen Giftanschlag, verübt wohl durch einen Agenten des bulgarischen Geheimdienstes. Aus dem Regenschirm heraus injizierte er 200 Mikrogramm Rizin in Markows Unterschenkel. Das Opfer starb vier Tage später. Der Fall war Vorlage für den Film „Der Regenschirmmörder“ mit Pierre Richard und Gert Fröbe.

Anders als bulgarische Regenschirme ist Rizinusöl rizinfrei. Das nützliche Öl dient als Rohstoff in der chemischen und pharmazeutischen Industrie. Obwohl als Heilmittel vielseitig anwendbar, ist es vor allem als Abführmittel bekannt. Unfassbar, aber als solches wurde es sogar zu einem Folterwerkzeug – im faschistischen Italien unter Benito Mussolini. Dessen innenpolitische Macht, so heißt es, gründete sich auf „Schlagstöcken und Rizinusöl“. So flößten seine Milizen, die „Schwarzhemden“, Gefangenen gewaltsam eine Überdosis Rizinusöl ein. Ein klarer Missbrauch des wunderbaren Wunderbaums durch den Menschen, der mit ihm doch so viel Besseres anfangen könnte. Und sei es nur, ihn zu bewundern.


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