Sibirischer Blaustern

Sibirischer Blaustern

Mogelpackung im Birkenhain

Der Sibirische Blaustern leugnet seine wahre Herkunft, beweist aber: Paracelsus hatte recht!

Der Sibirische Blaustern blüht von März bis April und gehört neben den Schneeglöckchen und Märzenbecher zu den beliebtesten Frühjahrsblühern in unseren Gärten und Parks. Er ist unter den Blausternchen sowohl vom Menschen gepflanzt als auch verwildert die häufigste Art.

Woher stammt der Name „Sibirischer Blaustern“?

Der wissenschaftliche Name des Blausterns „Scilla“ entstammt der griechischen Mythologie. Die Göttin Skylla wurde in ein Meeresungeheuer verhext – mit einem Unterleib, der aus sechs Hunden bestand. Fortan lauerte sie  Schiffen auf und fraß u.a. sechs Gefährten des Odysseus. Eine Verbindung zum Blaustern ist jetzt nicht offensichtlich – außer, dass die Gattung im Mittelmeerraum weit verbreitet war und ist. Der deutsche Name Blaustern ist da deutlich nachvollziehbarer. Die Artbezeichnung „Sibirischer“ ist hingegen eine Mogelpackung:

Woher stammt der Sibirische Blaustern?

Denn auch wenn uns der Name „Sibirischer Blaustern“ etwas anderes glauben lassen mag, stammt die Pflanze grob gesagt aus Westasien, aus dem Bereich des Kaukasus. Das liegt aus Sicht der namensgebenden europäischen Botaniker des 19. Jahrhunderts weit, weit weg. So weit weg wie Sibirien. Eine seriösere Herleitung des Namens ist auch der Fachliteratur leider nicht zu entnehmen.

Sibirischer Blaustern am Birkenhain

Wo finde ich den Sibirischen Blaustern im Stadtpark?

Der Sibirische Blaustern wächst im Botanischen Garten in großer Anzahl im Birkenhain und auf den ihn umgebenden Wiesen.

Wie pflanze ich den Sibirischen Blaustern im eigenen Garten?

Der Sibirische Blaustern ist empfindlich gegen Staunässe – ansonsten ist er anspruchslos. Die beste Pflanzzeit ist, wie bei allen Blumenzwiebeln, die im Frühjahr blühen, zwischen September und November. Die Blütenstiele darf man direkt nach dem Verblühen abschneiden, die Blätter hingegen erst, wenn diese vertrocknet sind. Nur so kann die Pflanze genügend Nährstoffe in ihre Zwiebel einlagern, um die Ruhezeit zu überstehen.

Übrigens: Blausternchen sind eine schöne gestalterische Alternative zu den nachgefragteren „Bluebells“ (Hasenglöckchen), wie sie auch auf der Hyazinthenwiese am Eingang zum Botanischen Garten an der Park-/Ecke Badstraße im April und Mai blühen.

Scilla siberica_MG_5827

Wer hätt´s gedacht?

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift sei“, wusste schon 1538 der Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus. Sein Zitat wird oft verkürzt zu „Auf die Dosis kommt es an“ und lässt sich hervorragend am Sibirischen Blaustern belegen. Dessen Pflanzenteile, allen voran die Zwiebeln, enthalten Saponine und Glykoside, die Übelkeit, Hustenreiz, Brennen im Mund, schmerzhafte Blähungen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Aufgrund dieser Wirkstoffe machte man in der Antike aus Blausternen zweierlei: 1. hochdosiert Rattengift und 2. niedrigdosiert Medikamente gegen Herzbeschwerden, Gelbsucht und Verstopfung. Wie viele Versuche die Ärzte brauchten, die richtige Dosierung zu finden, möchte man lieber nicht wissen…


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