Selbstkletternde Jungfernrebe

Selbtkletternde Jungfernrebe - Wilder Wein

Die Kletterkönigin

Die Selbstkletternde Jungfernrebe, besser unter dem (irreführenden) Namen „Wilder Wein“ bekannt, ist in Gütersloher Gärten häufig anzutreffen. Einige Hausbesitzer lieben die schnellwachsende Kletterpflanze, weil sie die Renovierungsbedürftigkeit ihrer Hausfassade kaschiert. Andere verfluchen sie, weil die Hausfassade erst durch die Haftscheiben renovierungsbedürftig geworden ist. Im Botanischen Garten stellen ihr die Stadtgärtner daher auch keine Wand, sondern Rankdrähte zur Verfügung.  

Woher stammt der Name „Selbstkletternde Jungfernrebe“?

Die Jungfernrebe verdankt ihren Namen der Fähigkeit, sich ohne Bestäubung fortzupflanzen. Ihre Triebe bilden bei Bodenkontakt schnell eigene Wurzeln. „Selbstkletternd“ heißt die Art, weil sie ohne Rankhilfen auskommt und auch an nackten Fassaden emporsteigt.

Beim wissenschaftlichen Namen spricht man sich leicht einen Knoten in die Zunge: „Parthenocissus quinquefolia ‚Engelmannii‘ heißt die Pflanze unter Botanikern – wer ein sicheres Passwort sucht, dürfte fündig geworden sein. Übersetzt heißt das Monsterwort „Fünfblättriges Jungfrauenefeu“. Das ist etwas ungenau. Tatsächlich hat jedes Blatt dieser Art fünf Finger (was sie von der Dreispitzigen Jungfernrebe unterscheidet), aber mit Efeu sind Jungfernreben nicht einmal über drei Ecken verwandt. Einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie alles zuwuchern, wenn man sie lässt.

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Der Sortenname ‚Engelmannii‘ ehrt >George Engelmann. Der deutsch-amerikanische Botaniker erforschte im 19. Jahrhundert die Pflanzenwelt Nordamerikas. Sein Hauptinteresse galt den Kakteen; als ihm das im Alter zu aufregend wurde, beschäftigte er sich verstärkt mit Reben. Seine 97.000 gesammelten Pflanzen und 5.000 Briefe mit botanischen Aufzeichnungen vermachte er dem Missouri Botanical Garden in St. Louis, wo man sich sehr darüber gefreut haben wird – mit Ausnahme vielleicht des Mitarbeiters, der das alles auswerten und archivieren durfte. Die Sorte ‚Engelmannii‘ entwickelt mehr Haftscheiben als andere, d.h. sie klettert besonders gut und erreicht Höhen bis zu 12 Metern. Zudem ist ihre Herbstfärbung besonders kraftvoll.

Woher stammt die Selbstkletternde Jungfernrebe?

Aus dem östlichen Nordamerika. Zum Beispiel wächst sie in Virginia, was zu einer Jungfernrebe ganz gut passt.

Wo finde ich Jungfernrebe im Botanischen Garten?

An den Rankgerüsten auf der Wiese vor dem Apothekergarten. Die Rankdrähte sind, vom Zentrum des Sonnengartens aus betrachtet, zunächst mit Waldrebe, dann mit Jungfernrebe bestückt. Der Abschnitt mit der Jungfernrebe erinnert in seiner Form ein wenig an ein Mammut und ist ein häufiger abgelichtetes Fotomotiv.

Wilder Wein alias Jungfernrebe

Wie pflanze ich Jungfernrebe im eigenen Garten?

Das ist nicht die wichtigste Frage, denn die Selbstkletternde Jungfernrebe ist anspruchslos, pflegeleicht, trockenheitsresistent, schnittunempfindlich und frosthart. Sie gedeiht also auch ohne grünen Daumen ihres Besitzers.

Die entscheidende Frage indes ist: Wo pflanzen Sie sie. Einmal gepflanzt, tut die Kletterpflanze nämlich, was sie am besten kann: klettern – und zwar bis zu 2,5 Meter im Jahr. Wer seine Hauswand begrünen möchte, findet keine Pflanze, mit der er sein Vorhaben schneller in die Tat umsetzen kann, zumindest keine so schönlaubige. Wer keine zweite Haut an seiner Fassade sehen will, sollte entsprechenden Sicherheitsabstand einplanen, zumal die Haftscheiben sich nur schwer rückstandsfrei beseitigen lassen. Der Griff zur Schere wird Pflicht, wenn sich die Triebe Dachrinnen, Dachschindeln, Rollladenkästen oder Abflussrohren nähern. Manche Experten empfehlen, die Jungfernrebe lieber zur Begrünung von Zäunen und freistehenden Mauern statt von Hauswänden zu nutzen.

Prinzipiell gilt für den Standort: je sonniger, desto kräftiger verfärben sich die Blätter im Herbst.

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Wer hätt´s gedacht?

Auch wenn die Jungfernrebe umgangssprachlich „Wilder Wein“ genannt wird: Mit echten Weinreben hat sie nichts zu tun. Jungfernreben und Weinreben sind unterschiedliche Gattungen. Die dunkelblauen Beeren des Wilden Weins sind also keine Weintrauben, laden aber gerade Kinder zum Naschen ein. Keine gute Idee, denn die Beeren enthalten die leicht giftige Oxalsäure.

Das sollten eigentlich sogar die lieben Kleinen merken, denn die vermeintlichen Leckereien sind für menschliche Gaumen ungenießbar. Da die Blagen aber selbst gewagteste Lebensmittelkombinationen wie Honigbrötchen mit Fleischwurst und Ketchup voller Genuss verspeisen, wie der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung weiß, sollte man als Wilder-Wein-Besitzer seinen Nachwuchs auf den Umstand hinweisen.


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