Säuleneiche

Säuleneiche

Die Schöne Eiche von Gütersloh

Ist es eine Säulenpappel? Oder gar eine Zypresse? Höchstens auf den ersten Blick. Bei näherem Betrachten, z.B. der Blätter, erkennt auch der Laie: Das ist eine Eiche. Aber eine mit besonderem Wuchs: Nicht mit einer ausladenden Krone, sondern kegelförmig, nach oben zulaufend wachsend schmückt die Säuleneiche zahlreiche Parks – so wie in Gütersloh.

Woher stammt der Name?

Eine Säuleneiche, auch Pyramideneiche genannt, ist keine eigene Eichen-Art, sondern beschreibt nur eine besonders markante Wuchsform von Stiel-Eichen. Wäre sie kleiner, hätte man sie, zumindest hierzulande, auch Pömpeleiche nennen können. Da sie aber bis zu 25 Meter hoch werden kann, bot sich „Säuleneiche“ an. Eine mit Säuleneichen bepflanzte Allee mag tatsächlich wie ein antiker Säulengang wirken.

Woher stammt die Pflanze?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Hessen, genauer aus Babenhausen bei Darmstadt, nach genauer aus dem Stadtteil Harreshausen. Dort steht seit etwa 1450 die „Schöne Eiche von Harreshausen“, von der vermutlich alle Säuleneichen in Mittel- und Nordeuropa abstammen. Es handelt sich um eine natürliche Mutation einer Stiel-Eiche, der Baum wuchs wohl schon als Sämling säulenförmig. Vegetativ vermehrt, behalten die Nachkommen die markante Form grundsätzlich bei: Sämlinge, die eine Säuleneiche als Mutterpflanze haben, wachsen alle aufrecht-schmal.

Wo finde ich eine Säuleneiche im Stadtpark?

Mehrerer Säuleneichen bilden ein markantes Ensemble im Zentrum der Liebesinsel an der Eiswiese. Drei weitere Exemplare stehen im bzw. direkt vor dem Lavendelgarten.

saeuleneiche-blatt

Wie pflanze ich eine Säuleneiche im eigenen Garten?

Landschaftsgärtner nutzen Säuleneichen gerne für die Parkgestaltung. In heimischen Gärten sieht man die Bäume dagegen eher selten, dabei vereinen sie mehrere Vorteile. Sie sind platzsparend, pflegeleicht (müssen nicht beschnitten werden), bodentolerant und hochdekorativ. Vor allem aber stören keine überhängenden Äste beim Rasenmähen. Nachteil: Sie wachsen, wie alle Eichen, recht langsam. Deshalb empfiehlt es sich, auf ein älteres Exemplar aus der Baumschule zurückzugreifen. Der Baumschulen-Besitzer weiß das aber auch und setzt ihnen für eine schönes, 3 Meter hohes Exemplar bis zu 1.000 Euro auf die Rechnung. Andererseits erfreuen sich auch noch ihre Urururenkel an ihrer Kaufentscheidung. 500 Jahre sind für eine Eiche kein Alter – das wären umgerechnet nur 2 Euro pro Jahr.

Wer hätt´s gedacht?

Wer die Investition nicht scheut, hat heutzutage keine Schwierigkeiten, eine Säuleneiche zu erwerben. Das war bis 1800 anders. Die „Schöne Eiche von Harreshausen“ galt als einzigartiger Wunderbaum, geschützt von der Bevölkerung wie von der Obrigkeit. Im 18 Jahrhundert rodeten Landwirte den gesamten Wald rund um die Säuleneiche, um Weideland zu gewinnen, die Schöne Eiche jedoch ließen sie stehen und umzäunten sie. Als die Franzosen um 1760 im Siebenjährigen Krieg durch das Gebiet zogen, ließ ein pflanzenliebender General den Baum bewachen, damit seine Truppen nicht Brennholz aus ihm machten. Zugleich schickte er Samen nach Paris, um den Baum im eigenen Land reproduzieren zu können.

Dass sich heute Säuleneichen in ganz Europa finden, verdanken wir aber vielmehr den hessischen Landgrafen, die Zweige des heutigen Naturdenkmals als botanisches Kuriosum und wertvolle Rarität für Gärten, Parks und Schlossalleen an andere Fürstenhäuser verschenkten. Der älteste bekannte Abkömmling ist eine über 220-jährige Säuleneiche im Bergpark Wilhelmshöhe bei Kassel, und auch in Potsdam und Versailles finden sich Nachkommen.

Mittlerweile ist die Schöne Eiche übrigens gar nicht mehr so schön, nach Gewitterstürmen mit Wipfelbruch, Blitzeinschlag, Pilzbefall und Käferplagen sieht sie doch recht zerzaust aus. Ihre Verwandten im Gütersloher Stadtpark sind dagegen echte Prachtexemplare, wenngleich sie, 1999 gepflanzt, ein nicht ganz so spektakuläres Alter aufweisen. Aber wer weiß, vielleicht pilgern die Besucher in 500 Jahren zur „Schönen Eiche von Gütersloh“…





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