Krummholzkiefer

Das braune Gold der Pyrenäen

Kiefern werden bis zu 40 Meter hoch – wenn es Waldkiefern sind. Die Kiefer im Gütersloher Apothekergarten erreicht aber kaum 2 Meter und gleicht eher einem Busch als einem Baum. Alles völlig normal – handelt es sich doch um eine Krummholzkiefer. Der immergrüne Baum, eigentlich im Hochgebirge zuhause, findet sich hierzulande in Gärten, Saunen und Küchen …

Woher stammt der Name „Krummholzkiefer“?

Das Wort „Kiefer“ ist relativ jung. Vermutlich entstand es im 16. Jahrhundert durch Zusammenziehen des althochdeutschen Begriffs „kienforha“ für Kienföhre. Speziell für die Krummholzkiefer gilt: „nomen est omen“ – wer sich den Stamm näher anschaut, weiß warum der Baum seinen Namen trägt. Da ihre Stämme und Zweige zudem nicht sonderlich dick werden, spielt die Krummholzkiefer in der Möbelindustrie nur eine untergeordnete Rolle.

Der Botaniker bezeichnet Kiefern mit „Pinus“, dem lateinischen Wort für diese Baumgattung. Der Artname der Krummholzkiefer lautet „mugo“. Zur Bedeutung schweigt das etymologische Wörterbuch. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Vokabel, die ihre Wurzeln in den Tiroler Alpen hat. Doch auch der Tiroler schweigt dazu. Im Ergebnis weiß also auch der Botaniker maximal zu 50%, warum er die Krummholzkiefer „Pinus mugo“ nennt.

Woher stammt die Krummholzkiefer?

Aus den Gebirgen Süd-, Zentral- und Osteuropas, z.B. den Pyrenäen, den Alpen, den Kaparten oder dem Balkangebirge. Als invasive Art hat sie sich in Neuseeland und Skandinavien ausgebreitet. Vor allem in Neuseeland gilt sie als Plage, die die heimische Pflanzenwelt und die Landwirtschaft beeinträchtigt, und wird entsprechend bekämpft.

Wo finde ich eine Krummholzkiefer im Botanischen Garten?

Im Apothekergarten. Denn aus frischen Nadeln und Zweigspitzen der Krummholzkiefer wird Latschenkieferöl gewonnen. Das ätherische Öl wird meist zum Einreiben der Latschen (Füße) oder zum Inhalieren bei Entzündungen der Atemwege verwendet. Auch für viele kosmetische Cremes oder für Saunaaufgüsse ist es nützlich.

Wie pflanze ich eine Krummholzkiefer im eigenen Garten?

Welchen Standort sie auch immer vorgesehen haben: Die Kiefer kommt klar – eine Pflanze, die auf kargen Felsen bis zur Baumgrenze wächst, stellt keine großen Ansprüche. Auf nährstoffreicheren Böden gedeiht sie aber ebenfalls bestens. Dass sie in freier Natur nicht häufiger vorkommt liegt daran, dass andere Bäume unter guten Bedingungen konkurrenzstärker sind und der Krummholzkiefer das Licht rauben.

krummholzkiefer

Ihre Größe ist gartentauglich, ihre Wuchsform bisweilen bizzar und ihr Pflegeaufwand niedrig – diese Kombination hat die Krummholzkiefer zu einer beliebten Zierpflanze auch im wenig gebirgigen Ostmünsterland gemacht. Hinzu kommt ihre ausgeprägte Winterhärte. Ihre elastischen Zweige sind für deutlich größere Schneemengen ausgelegt als wir sie an der Dalke gemeinhin erwarten dürfen. Bayerische Förster pflanzen sie gar als Lawinenschutz – auch das ist bei den Kollegen im Forstbetriebsbezirk Gütersloh eher die Ausnahme als die Regel.

Wer hätt´s gedacht?

In den letzten Jahren entwickelt sich die Krummholzkiefer zu einem Zutatenlieferanten für die Küchen der angesagtesten Szene-Restaurants von London bis New York. Die Knospen und Zapfen werden im Frühjahr geerntet und den Sommer und Herbst über in Glasflaschen getrocknet. Sie sondern eine Flüssigkeit ab, die eingekocht und mit Zucker vermischt als „hochwertiges Kiefernzapfensirup“ vermarktet wird. Die süße Würze soll gleichermaßen gebratenes Fleisch, Ziegenkäse und Panna Cotta veredeln.

krummholzkiefer-kreuzung

Der aufwändige Prozess hat seinen Preis: Für flaconartige Fläschchen mit Kiefernsirup, dem „braunen Gold der Pyrenäen“, werden im Internet 30 Euro verlangt – nur Druckertinte ist teurer. Ernüchternd sind indes die Nutzerkommentare. Viele Testesser sind sich einig, das kostspielige Kiefernsirup schmecke wie Zuckersirup, erhältlich für 2,29 Euro die Halbliter-Flasche. Nun genießen die Gourmets in den Trend-Restaurants auch nicht den Geschmack, sondern die Gewissheit, sich gerade etwas unanständig Teures in den Tee zu träufeln. Trotzdem, der Gütersloher is(s)t da lieber bodenständig: Er lässt die Krummholzkiefer im Park und sich in Fritzes Schnellimbiss statt Kiefernsirup in bewährter Weise Ketchup-Majo auf die Pommes klatschen. Auch lecker!


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