Japanische Wachsglocke

Japanische Wachsglocke

Aus Ostasien nach Ostwestfalen

Wer hierzulande eine Japanische Wachsglocke sehen und ihre ungewöhnlichen Blütenblätter fühlen möchte, wird schon ein wenig suchen müssen – die hat nicht jeder Nachbar im Garten stehen. Gut, dass es den „Botanischen”“ gibt!

Woher stammt der Name „Wachsglocke“?

Namensgebend für die Wachsglocke sind die wachsartigen und glockenförmigen Blüten. Doch nicht nur die Blüten, auch die Pflanze selbst ähnelt einer Glocke: Die Waldstaude wächst ausladend und kompakt zugleich – eine ausgewachsene Pflanze sieht aus wie eine große Blätterhaube oder eben -glocke.

„Kirengeshoma palmata“ nennen Botaniker die Pflanze. Der Gattungsname kommt aus dem Japanischen, „ki“ heißt „gelb” und benennt die Blütenfarbe, „rengeshoma“ ist der Name der Scheinanemone, botanisch „Anemonopsis macrophylla“, die der Wachsglocke sehr ähnlich sieht. „Palmata“ bedeutet „palmengleich“.

Woher stammt die Japanische Wachsglocke?

Die Japanische Wachsglocke stammt tatsächlich aus Japan. Wildbestände gibt es mittlerweile auch in Korea und Ost-China.

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Wo finde ich Wachsglocken im Botanischen Garten?

Wachsglocken sind Schattenstauden aus bergigen Nebelwäldern. Berge können wir ihnen in Gütersloh, wo schon der Rodelhügel im Stadtpark als alpin gilt, nicht wirklich bieten. Also suchten die Stadtgärtner ihnen wenigstens einen relativ schattigen und leicht feuchten Standort aus. Ein halbes Dutzend Wachsglocken pflanzten sie im Staudenparterre zwischen dem Stein- und dem Mediterranen Garten, schräg gegenüber vom Palmenhaus-Café. Vielleicht können sie dort noch eine ›Teezeremonie organisieren, dann dürfte sich die Pflanze wie zuhause fühlen.

Wie pflanze ich Wachsglocken im eigenen Garten?

Mit Freude fürs Exotische. Sie holen sich eine hierzulande seltene, anmutige Pflanze in der Garten, die relativ anspruchslos und winterhart ist. Wegen des glockenförmigen Wuchses eignet sich die Wachsglocke als Solitärpflanze. Belohnt werden Sie für Ihren Geschmack mit einer Blüte im Spätsommer, was sonst bei Waldstauden kaum vorkommt. Die zitronengelben Blüten mit ihrer ungewöhnlichen Oberfläche, die auffälligen Samenkaspeln, die dreibeinigen Marsmännchen ähneln, die ahornartigen Blätter, die miteinander verwachsen scheinen und Etagen bilden – dass diese Blattschmuckstaude von weit her kommt und normalerweise nicht im Rhedaer Forst anzutreffen ist, sieht auch der Laie. So positionieren Sie sich als botanischer Kosmopolit.

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Wer hätt´s gedacht?

Wie viele Pflanzenarten gibt es in Deutschland? Die ›„Standardliste der Farn- und Blütenpflanzen“ des Bundesamtes für Naturschutz listet 4.100 höhere Pflanzenarten auf. Und in Japan? Der Inselstaat ist nur unwesentlich größer als Deutschland, doch dort sind mehr als 7.000 Pflanzenarten heimisch. Grund für die deutlich höhere Artenvielfalt ist die größere Längenausdehnung Japans; das Land hat damit Anteil an mehreren Klimazonen und Ökoregionen. Oft ist unser Japan-Bild von hochverdichteten Großstädten geprägt. Tatsächlich ist das Land aber zu zwei Dritteln mit schwer zugänglichen Bergwäldern bedeckt, die es zu einem riesigen Biodiversitäts-Hotspot machen. Auf den Inseln entwickelte sich eine zwar mit Kontinental-Asien verwandte, aber eigenständige Flora.

Rund 3.000 der japanischen Pflanzenarten sind endemisch, d.h. sie wachsen als Wildform nur in Japan, auch wenn sie in kultivierter Form mittlerweile weit verbreitet sind – Japansegge schmückt gefühlt jeden zweiten Gütersloher Garten. Japanischen Ursprungs sind Wasabi (auch als Japanischer Meerrettich bekannt), Japanischer Blauregen, Japanischer Ahorn, Japanisches Geißblatt, Japanische Prachtspiere, der Großartige Kuchenbaum (welch ein großartiger Name!), die Japanische Zeder, auch Sicheltanne genannt (die weder Zeder noch Tanne, sondern eine Zypresse ist…), der Japanische Palmfarm (eine urzeitliche Mixtur aus Palme und Farm) und Hunderte ähnlich kuriose, für europäische Augen oft ungewöhnliche Arten mehr.

Deshalb ein Hoch auf den Botanischen Garten, der uns mitten in Ostwestfalen einen Blick auf fernöstliche Wachsglocken ermöglicht, ohne dass wir die für Spaziergänge erfreulich flache Emssandebene verlassen und schwer zugängliche Bergwälder am anderen Ende der Welt durchstreifen müssten. Nutzen Sie diesen Standortvorteil!

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