Herbst-Steinbrech

Herbst-Steinbrech

Essbefehl von ganz oben

Für Schmetterlingsraupen ist der Herbst-Steinbrech ein Festschmaus. Menschen essen den Bodendecker in der Regel nicht. Doch es gibt eine prominente Ausnahme.

Noch ist er unter Gartenbesitzern nicht über den Status des Geheimtipps hinausgekommen: der Steinbrech. Doch er liegt im Trend. Mittlerweile haben einige Gartencenter eine größere Steinbrech-Auswahl und man findet auch in manch Gütersloher Garten den Herbst-Steinbrech. Gerade auf der Nordseite des Hauses, in den eher schattigen Vorgärten, fühlt sich die 10 bis 30 Zentimeter hohe Waldpflanze wohl.

Woher stammt der Name „Herbst-Steinbrech“?

Steinbrech ist die wörtliche Übesetzung des botanischen, lateinischen Gattungsnamens „Saxifraga“. Den verwendete Plinius der Ältere in seinem Naturkunde-Werk „Naturalis historia“ aus dem Jahr 77 v. Chr. Warum? „Quia saxa frangit“, auf deutsch „weil er die Felsen bricht“. Eine im wahrsten Sinne des Wortes „klassische“ Fake-News: Der antike Naturforscher sah die Pflanze in Felsspalten und kleinsten Steinritzen wachsen und schloss zu Unrecht daraus, die Wurzelkraft des Steinbrechs habe den Fels geteilt.

Der Artname „Herbst-Steinbrech“ deutet die späte Blütezeit der Staude an. Wissenschaftlich heißt sie „Saxifraga cortusifolia“, auf deutsch „alpenheilglöckchenblättriges Steinbrech“. Dass man diesen Namen nicht auch wörtlich ins Deutsche übersetzt hat, kann der Vermarktung nur förderlich sein.

Woher stammt der Herbst-Steinbrech?

Wilder Herbst-Steinbrech wächst in den Wäldern Japans, Chinas und Koreas. In deutschen Gärten war die Pflanze lange kaum zu finden. Inzwischen gibt es in Großbritannien und Deutschland Gärtnereien, die sich auf die Zucht von Steinbrech-Arten – von denen es rund 450 (!) gibt – spezialisiert haben, weil der Bedarf nach den attraktiven Bodendeckern immer größer wird.  

Wo finde ich Herbst-Steinbrech im Botanischen Garten?

Im Steingarten sowie an der Hyazinthenwiese (Eingang Park-/Ecke Badstraße) unter den Felsenbirnen.

Wie pflanze ich Herbst-Steinbrech im eigenen Garten?

Nur seine geringe Bekanntheit kann verhindert haben, dass der Herbst-Steinbrech nicht schon viel früher viel häufiger gepflanzt wurde. Er ist eine ideale Steingartenpflanze, der den Garten den Sommer über mit glänzenden, wie lackiert wirkenden Blättern verschönert. Wenn die meisten anderen Pflanzen verblühen, legt der Herbst-Steinbrech erst richtig los: Ab Ende September tragen seine rötlichen Stängel einen schneeweißen Blütenschleier, den er bis zum ersten Frost präsentiert. Als Waldpflanze bevorzugt er schattige Standorte. Direkte Sonneneinstrahlung verträgt er nicht – das kann vor allem im Winter problematisch sein, wenn in unseren Gärten die meisten Pflanzen, die ihn umgeben, kahl sind und ihn nicht vor der Wintersonne schützen. Wer sicher gehen will, deckt ihn mit Fichtenreisig ab.

Wer hätt´s gedacht?

Steinbrech dient als Futterpflanzen für Raupen von Schmetterlingen und Motten. Obwohl Vitamin-C-haltig, landet er nur selten in menschlichen Mägen. Eine Ausnahme war Bernadette Soubirous.

Die französische Ordensschwester hatte 1858 als 14-jähriges Mädchen in Lourdes mehrere Marienerscheinungen und wurde 1933 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Dank ihr entwickelte sich ihr kleines Heimatdorf in den Pyrenäen mit bis zu 6 Millionen Pilgern jährlich zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsorte der Welt. Von der heiligen Bernadette heißt es – und so beschreibt es auch der österreichische Schriftsteller Franz Werfel in seinem Roman „Das Lied von Bernadette“ –, sie habe Pflanzen gegessen, so wie es ihr die Mutter Gottes aufgetragen habe: Pflanzen aus der unmittelbaren Umgebung der Stelle, an der sie die heilkräftige Quelle in der Grotte freigelegt hatte. Nun wächst in einer Felsgrotte nicht allzu viel, so dass die kleine Bernadette nicht allzu wählerisch sein konnte und man diese Pflanzen später als Steinbrech identifizierte.

Da das benachbarte Palmenhaus-Café zahlreiche kulinarische Alternativen anbietet, gilt für den Herbst-Steinbrech im Botanischen Garten allerdings weiterhin: nur gucken, nicht probieren!


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