Heidenelke

Heidenelke

Zeitreise in die Gütersloher Schweiz

Sie ist so zierlich und zart – und kann doch ganze Industriegebiete zum Scheitern bringen. Die Heidenelke ist wegen ihres Vorkommens am Flughafen in Gütersloh ein Politikum. Weniger umstritten ist ihr Bestand im Stadtpark.

Woher stammt der Name „Heidenelke“?

Der Name „Nelke“ stammt vom mittelhochdeutschen „negelkin“ = Nägelchen“. Das bezog sich ursprünglich auf die nagelförmigen Gewürznelken, also die Knospen des tropischen Gewürznelken-Baumes. Der Duft mancher Nelkenarten erinnert so sehr an Gewürznelken, dass der Name auf sie überging. Die Artbezeichnung „Heide-” gibt einen dezenten Hinweis auf den bevorzugten Standort dieser Pflanze.

Carl von Linné bestimmte 1753 den wissenschaftlichen Gattungsnamen für die Nelken. Ihre göttliche Blütenpracht, ihr himmlischer Duft und seine Altgriechisch-Kenntnisse ließen ihn die Bezeichnung „Dianthus“, d. h. Zeus-Blume wählen („Diós“ für Gott, „Zeus“ und „anthos“ für Blume). Die leuchtend rosafarbenen Kronblätter der Heide-Nelke weisen bei genauerem Hinsehen weiße Pünktchen auf. Diese sind in manchen Blüten dreieckig wie der griechische Buchstabe Δ (Delta) angeordnet, daher der Artname „deltoides“. Der zusammengesetzte Pflanzenname „Dianthus deltoides“ ist derart wohlklingend, dass er sich auch als Künstlername in der Schlagerbranche eignet („Sie hören nun im Duett: >Lena Valaitis und Dianthus Deltoides!“).

Heidenelken auf der Obstwiese

Heidenelken auf der Obstwiese

Woher stammt die Heidenelke?

Die Heidenelke wächst besonders gut auf Magerwiesen, in Kiefernwälder und Heidelandschaften und ist in ganz Europa verbreitet. Besser gesagt: Sie war es. Heute ist sie vielerorts verschwunden oder vom Verschwinden bedroht.

Wo finde ich Heidenelken im Stadtpark?

Auf der Obstwiese, wo die streng geschützte Art sehr gut hinpasst, weil sie dort von anderen gefährdeten Pflanzen, nämlich seltenen westfälischen Obstsorten, umgeben ist.

heidenelke-wegrand

Wie pflanze ich Heidenelken im eignen Garten?

Mit gutem Gewissen, denn damit tun Sie aktiv etwas für den Artenschutz. Wie der Name „Heide-Nelke” vermuten lässt, gedeihen die Pflanzen besonders gut auf trockenen, sandigen Böden an sonnigen Standorten. Sie sind außergewöhnlich pflegeleicht und eine gute Wahl für Gießmuffel. Man kann sie schneller ertränken als vertrocknen lassen; selbst längere Trockenperioden schaden ihnen in der Regel nicht.

Wer hätt´s gedacht?

Bis 2013 war die Heidenelke auch in Gütersloh als „hochgradig selten vorkommend“ verzeichnet. Als einzig nennenswerter Bestand außerhalb des Stadtparks galt eine Wiese am Kreishaus. Dann kündigten die Briten ihren Abzug vom Gelände des Militärflughafens an, woraufhin zwei Dinge geschahen:

  1. Unternehmeverbände, Wirtschaftsförderer, Windparkbetreiber und nicht zuletzt die lieben Nachbargemeinden Harsewinkel und Herzebrock-Clarholz verteilten das Fell des Bären, sprich schacherten um die besten Plätze auf dem vermeintlichen Gewerbegebiet.
  2. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW gab eine Kartierung der Vegetation in Auftrag – bei der Heidenelken auf einer Fläche von 44,5 Hektar (!) nachgewiesen wurden. Dieses Vorkommen ist einzigartig in ganz Nordrhein-Westfalen und war das Aus für den größten Teil des geplanten Gewerbeparks.

heidenelken-obstwiese
Ganz überraschend kam der Fund für Biologen und Historiker indes nicht: Früher wurde die Umgebung rund um die Dalkestadt als „Gütersloher Schweiz“ bezeichnet und war eine Landschaft, die von Flugsandfeldern und Dünen geprägt war – ein idealer Standort für eine Pflanze wie die Heidenelke. Anderenorts verschwand diese durch landwirtschaftliche Nutzung und Überdüngung, auf dem abgeschirmten Flughafen konnte sie sich ihre angestammte Heimat zurückerobern. Das Heidenelken-Vorkommen auf dem Flughafen ermöglicht damit quasi eine Zeitreise, die eine Vorstellung davon gibt, wie die Landschaft an der Emsaue vor 100 Jahren aussah und warum Gütersloh noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts als „Heidedorf“ beschrieben wurde.

 


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