Große Klette

Große Klette im Apothekergarten Gütersloh

Pflichtpflanze im Kaiserbeet

Mit bis zu zwei Meter Höhe ist die Große Klette eine imposante Erscheinung. Allerdings verwenden viele Gärtner ihre Energie ganz darauf, die Staude aus ihrem Garten zu entfernen statt sie zu pflegen. Anders die Stadtgärtner: Im Botanischen Garten Gütersloh hat die Klette ihren festen Platz.

Woher stammt der Name „Große Klette“?

Die Große Klette heißt Große Klette, damit man sie a) von der Kleinen Klette unterscheiden kann und weil b) ihre Blütenstände beim Spaziergang unweigerlich in den Kleidern hängen bleiben. Die Blüten sitzen in einem Pelz aus gekrümmten Stacheln, die an Häkelnadel erinnern und sich nur mit viel Geduld wieder aus Wollpullovern und Haaren rausfriemeln lassen. Das soll so sein, denn so haken sich die Samen im Fell von Tieren unter und verbreiten sich.

Diese Erfahrung machte auch der Schweizer Ingenieur und passionierte Jäger Georges de Mestral. Auf der Jagd hatte er die Klettenfrüchte unzählige Male aus dem Fell seines Hundes entfernen müssen. So kam ihm 1941 die Idee zum Klettverschluss. Bis heute ist sie ein Paradebeispiel für erfolgreiche ›Bionik, das Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik. Mestral starb 1990 als Multimillionär – da sieht man, wie sehr sich ein Ausflug in die Botanik lohnen kann …

„Arctium lappa“ heißt die Pflanze botanisch. „Árctos“ ist griechisch für Bär – die zottelige Frucht der Pflanze gleicht demnach dem rauen Fell eines Bären. „lappa“ könnte auf einen griechischen Begriff für „essbares Kraut“ zurückgehen.

Woher stammt die Große Klette?

Hauptverbreitungsgebiet ist Europa. Nachdem die Europäer Nordamerika und Australien entdeckt hatten, haftete die Große Klette auch dort fest. Das historische Vorkommen in Europa ist gut dokumentiert: Die Pflanze kommt in der ›Capitulare de villis vor, der Landgüterverordnung Karls des Großen aus dem Jahr 812. Darin hatte der Reisekaiser penibel vermerken lassen, welche Pflanzen die Verwalter in allen Königspfalzen anzupflanzen hatten, wenn es die klimatischen Gegebenheiten zuließen. So sollte die kulinarische und medizinische Versorgung des kaiserlichen Trosses stets gewährleistet sein.

73 Heil- und Nutzpflanzen umfasst die Liste (plus 16 Obstbäume). Mit dabei: die Große Klette. Denn die war gleich doppelt nützlich: Sie diente als Heilpflanze und als Nahrungsmittel. Im Mittelalter wurden die süßlich schmeckenden Wurzeln, ähnlich wie heute Schwarzwurzeln, als Gemüse gegessen.

Wo finde ich die Große Klette im Botanischen Garten Gütersloh?

Im Apothekergarten. In der Volksmedizin wurde ein Sud aus der Wurzel gegen Hauterkrankungen, bei Abszessen, Ekzemen oder Furunkel verwendet, bei Brand- und Schnittwunden Klettenblätter auf die Haut gelegt. Als Tinktur gegen Haarausfall rieb man einen Ölauszug der Wurzel in die Kopfhaut ein. Allerdings ist die Wirksamkeit diesbezüglich wissenschaftlich nicht belegt.

Wie pflanze ich die Große Klette im eigenen Garten?

Die Große Klette ist eine komplett anspruchslose Pflanze. Viele Gärtner betrachten sie als lästiges Unkraut, zumal sie dank ihrer langen, verholzenen Pfahlwurzel nur mühsam zu entfernen ist. Schön, dass Sie in ihr eine hübsche Wildblume erkennen und ihr einen sonnigen Platz in Ihrem Naturgarten überlassen!

Oder wollen Sie gar einen „Karlsgarten“ anlegen, falls mal ein Reisekaiser bei Ihnen vorbeischaut und erst nach einem herzhaften Kletten-Eintopf und dann nach einer Heilsalbe für seinen wundgerittenen kaiserlichen Pöter verlangt? Dann finden Sie ein Vorbild in Oerlinghausen: den nach dem capitulare de villis bepflanzten Kräutergarten des ›Archäologischen Freilichtmuseums. In jedem Fall belohnt sie die Staude von Juli bis August mit rosaroten Blüten.

Wer hätt´s gedacht?

Wer die Softdrink-Regale eines britischen Supermarktes entlang geht, stößt in vielen Fällen auf ein Getränk mit dem für die meisten Nicht-Briten unverständlichen Namen „Dandelion and burdock“, auf Deutsch „Löwenzahn und Klette“.

Dieses Getränk hat auf der Insel eine gut tausendjährige Tradition. Ursprünglich met-artig aus gegorenen Wurzeln von Löwenzahn, Kletten und anderen Pflanzen hergestellt, ist Dandelion and burdock heute ein kohlensäurehaltiges, alkoholfreies, cola-farbenes Erfrischungsgetränk. Die Getränkeindustrie verzichtet mittlerweile weitestgehend auf die namensgebenden Zutaten: In den allermeisten Dandelion-and-burdock-Flaschen befinden sich – wenn überhaupt – nur noch Spuren von Löwenzahn und Klette. Trotzdem oder gerade deshalb erfreut sich der Trank großer Beliebtheit; heute schütten Millionen Briten als Akt vermeintlicher Traditionspflege einen zahnkillenden Mix aus Wasser, Zucker, Farb- und Aromastoffen in sich hinein …

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