Esskastanie

Esskastanie Edelkastanie

Kastanienmus zum Frühstück

Von Rosskastanien müssen wir uns wohl in Westfalen mittelfristig verabschieden – ein Bakterium macht ihnen den Garaus. Des einen Leid ist des anderen Verbreitungs-Chance: Die Esskastanie könnte uns demnächst im Stadtbild häufiger begegnen. Wer sich jetzt schon an den Baum gewöhnen möchte, wird im Botanischen Garten fündig.

Woher stammt der Name „Esskastanie“?

Das Wort „Kastanie“ stammt von den alten Römern („castanea“), die es von den noch älteren Griechen haben („kástana“), die es in Kleinasien aufgeschnappt hatten (armenisch „kask“).

„Esskastanie“ heißt die Art, weil ihre Früchte im Unterschied zu denen der Rosskastanie essbar sind. Im frühen Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert waren Maronen und Kastanien vor allem in Südeuropa für zahlreiche Menschen ein wichtiges, manchmal gar das Hauptnahrungsmittel. Heute gelten sie als Delikatessen. In Frankreich serviert man als Beilage ganze geschälte Kastanien oder Crème de Marrons (auf deutsch „Kastanienmus“, aber das klingt nur halb so elegant), u.a. in Italien verwendet man Kastanienmehl für die Herstellung von Gnocchi, Pasta und Polenta, und sogar in Gütersloh bieten manche Bäcker Maronenbrot an. Allerdings sind gerade die in der Lebensmittelindustrie verwendeten Kastanien nur zu 10% Früchte der Esskastanie. Überwiegend werden heute die Früchte zweier verwandter Arten, der Chinesischen und der Japanischen Kastanie genutzt.

Im Pflanzenlexikon findet man die Esskastanie, auch Edelkastanie genannt, unter „Castanea sativa“, auf deutsch „gesäte Kastanie“. Der Name zeugt von der langen Geschichte der Kultivierung als Obstbaum durch den Menschen. Schon für das 7. Jahrhundert v. Chr. lassen sich für den armenisch-kaukasischen Raum Kastanien-Plantagen nachweisen.

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Woher stammt die Esskastanie?

Esskastanien wachsen in ganz Europa, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer. Botaniker scheinen gern und oft zu reisen, jedenfalls nahmen sie Proben von Bäumen aus Schweden, Irland, Frankreich, Kroatien und vielen Ländern mehr. Im Labor ließ sich ein einheitlicher Genpool dieser über ganz Europa verstreuten Bäume ermitteln. So gilt es als sicher, dass nahezu alle europäischen Kastanien von einem Bestand abstammen, den die Forscher in Kleinasien, genauer an der türkischen Mittelmeerküste verorten.

Wo finde ich eine Esskastanie im Stadtpark Gütersloh?

In den saisonal bepflanzten Beeten im Herzen des Botanischen Gartens. Wer auf der Rundbank unter dem Kugelahorn Platz nimmt und Richtung Badstraße schaut, wird sie entdecken.

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Wie pflanze ich eine Esskastanie im eigenen Garten?

Als Erbe für ihre Enkel und deren Enkel. Denn seine ersten Früchte bildet der Baum mit 30 Jahren, seinen Erntehöhepunkt erreicht er mit 100 Jahren. Bis zu seinem 300. Lebensjahr liefert er gute Erträge, danach lässt seine Fruchtbildung nach. Aber dafür wird Sie dann niemand mehr haftbar machen können.

Beim Pflanzen den Platzbedarf des Baumes berücksichtigen – zur Seite mindestens 10 Meter Abstand zu anderen Gehölzen lassen, nach unten die lange Pfahlwurzel mitbedenken, die der Baum ausbilden wird.

Wer hätt´s gedacht?

In Gütersloh werden wir uns wohl schon bald an wesentlich mehr Esskastanien erfreuen dürfen als derzeit. Der Grund dafür ist allerdings ein gänzlich unerfreulicher: das Sterben der Rosskastanien. Seit zehn Jahren beobachten Forscher, wie das Bakterium „Pseudomonas syringae pv. Aesculi“ Rosskastanien befällt und so stark schädigt, dass die Bäume zugrunde gehen oder wegen mangelnder Verkehrssicherheit gefällt werden müssen. In einigen westfälischen Städten sind bereits 50% aller Bäume betroffen. Wirksame Gegenmaßnahmen: Fehlanzeige. In Gütersloh sind 100 der 700 Rosskastanien befallen, 50 wurden bereits abgeholzt.

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Neu bepflanzt werden die freigewordenen Stellen oft mit Esskastanien. Die sind gegen das böse Bakterium immun. Der genauen Grund dafür ist unbekannt, jedoch sind Ross- und Esskastanien miteinander auch so wenig verwandt wie Kichererbsen mit Affenbrotbäumen. Die Rosskastanie bekam den Namen „Kastanie“ vom Volksmund allein wegen der Ähnlichkeit ihrer Früchte mit denen der Esskastanie. Tatsächlich handelt es sich um Pflanzen aus unterschiedlichen Pflanzenfamilien. Den botanischen Laien mag das überraschen, das Bakterium nicht – es frisst sich in die Ross- und verschmäht die Esskastanien. Da werden wir uns also demnächst verstärkt Kastanienmus auf den Pumpernickel schmieren können.


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