Echtes Mädesüß

Echtes Mädesüß im Stadtpark Gütersloh

Raumerfrischer, Weinversüßer, Schmerzvertreiber

Das Echte Mädesüß hat Medizingeschichte geschrieben. Denn ohne diese Wildstaude gäbe es kein Aspirin. Das Schmerzmittel trägt sie sogar im Namen. Allerdings muss man schon Spezialwissen besitzen, um das zu erkennen. Genau dafür gibt es diese Webseite!

Woher stammt der Name „Mädesüß“?

Drei Theorien gibt es, und nur eines ist sicher: mit einem „süßen Mädel“ hat der Pflanzenname nichts zu tun.

  • Theorie 1: „-süß“ beziehtsich auf den Duft der Blüten, der an süße Mandeln und Honig erinnert. Und „Mäde“ stammt von „Mede“, einem alten Begriff für Wiese. Dafür spricht: die englische Bezeichnung „meadow sweet“.
  • Theorie 2: „Mäde“ stammt von „Mahd“. Dafür spricht: Auch die abgesensten, verwelkenden Blätter und Stängel verströmen noch den süßlichen Geruch; sie wurden früher gerne als „Raumerfrischer“ in die Diele gestreut.
  • Theorie 3: „Mäde“ stammt von „Met“. Was dafür spricht: die norwegische Bezeichnung „mjødurt“ = Metkraut. De Pflanze wurde tatsächlich zum Süßen und Aromatisieren von (Honig-)Wein genutzt.

Suchen Sie sich nun die Theorie aus, die Ihnen am besten gefällt, also die dritte.

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Der Botanische Name „Filipendia ulmaria“ heißt übersetzt so viel wie „die ulmenartige an Fäden Hängende“, was – bei allem Verständnis für die Schwierigkeit, zehntausende Pflanzennamen erfinden zu müssen – eine recht unpassende Bezeichnung ist. Die Kritik richtet sich an den verantwortlichen Botaniker Karl Johann Maximovicz (1827–1891), dem das allerdings seit 1891 egal sein dürfte. Beim Echten Mädesüß hängt gar nichts an Fäden, das tun nur die Wurzelknollen des Knolligen Mädesüß. Aber mitgefangen, mitgehangen bzw. mitklassifiziert – Herr Maximovicz nannte das Knollige Mädesüß zu Recht Filipendia (von lateinisch „filum“ = Faden, „pendulus“ = hängend), und der Name ging zu Unrecht auf die gesamte Gattung über. Auch was so ulmenartig an der Ulmenartigen sein soll, springt nicht sofort ins Auge. Bei genauerem Hinsehen sind es die Blätter.

Woher stammt Mädesüß?

Echtes Mädesüß kommt in ganz Nord- und Mitteleuropa sowie Nord- und Zentralasien vor. Ursprünglicher Lebensraum waren sumpfige Erlen-Eschen-Bruchwälder. Da solche Biotope in Zeiten der Entwässerungspumpe rar geworden sind, findet man die Pflanze heute vor allem an Bachläufen und auf Feuchtwiesen.

Wo finde ich Mädesüß im Stadtpark?

Allenthalben: entlang der Dalke, in der Dalkeaue, bei den Kopfweiden auf der Obstwiese und auf verschiedenen Wiesenflächen.

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Wie pflanze ich Mädesüß im eigenen Garten?

Ideal wäre es, wenn Sie einen Erlen-Eschen-Bruchwald Ihr Eigen nennen. Ersatzweise eignet sich ein Standort in der Nähe eines Teiches. Sie haben weder das eine noch das andere? Die Wildstaude gedeiht auch auf normalem Gartenboden, solange sie ihn gut und regelmäßig wässern. Dann wird sie zu einer Bereicherung für jeden Wild- und naturnahen Garten.

Wer hätt´s gedacht?

Aspirin, zumindest der zugrundeliegende Wirkstoff, steht auf der „Liste der unentbehrlichen Arzneimittel“ der Weltgesundheitsorganisation WHO. Was heute synthetisch produziert wird, wurde früher aus Blütenknospen des Echten Mädesüß gewonnen.

Die erste klinische Studie zu dem schmerzstillenden und fiebersenkenden Wirkstoff „Acetylsalicylsäure“ veröffentlichte 1897 der Mediziner >Kurt Witthauer. Sein Bericht prägte den Namen „Aspirin”, nach einem früheren Gattungsnamen des Mädesüß. Denn ursprünglich war die Pflanze den Spiersträuchern zugeordnet gewesen, Gattungsname Spiraea (von griechisch „Speira“ = Windung, wegen der sichelförmig gekrümmten Früchte). „Spirin“ soll also den in der Spiraea enthaltenen Wirkstoff bezeichnen, das A am Wortanfang dient allein der besseren Sprechbarkeit des Namens.

Der Markenname Aspirin wurde am 6. März 1899 in die Warenzeichenrolle des Kaiserlichen Patentamtes aufgenommen und ist im Besitz der Bayer AG. Er wurde weltweit zu einem Gattungsbegriff für Schmerzmittel – der geschickten Namenswahl sei Dank. Der Verkauf von „Acetylsalicylsäuretabletten“ wäre sicherlich schleppender verlaufen…

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